Donnerstag, 19. April 2007

Beitrag 1: Die Prioritätenfrage

Generell ist die Tendenz zu nachhaltigem Denken vielerorts zu erkennen. Man spricht von Bioprodukten, sparsameren Autos, Minergie-Häusern usw. Beim Erstgenannten, den Bioprodukten, habe ich aber öfters den Eindruck, dass es nicht wirklich um den Schutz, den Erhalt der Natur geht, sondern versucht wird, Geld aus dem Schlagwort „Bio“ zu machen. Die neuen, umweltfreundlichen Technologien für Autos oder Häuser sind zwar vorhanden oder in Entwicklung, aber die Kosten sind in einer höheren Preisklasse. Es wird bestimmt noch lange dauern, bis solche zum Alltag gehören und bei der breiten Bevölkerung Akzeptanz finden. Hier wäre die Verbindung zu unserem Thema, dem neuen Lebensstil, angebracht.

Unter neuem Lebensstil verstehe ich persönlich Zeit sparen, sich Luxus leisten, alles zu jeder Zeit verfügbar haben. Fahren oder fliegen statt radeln oder gehen, exotische Früchte aus allen Ländern essen, Produkte aus aller Welt anschaffen. All dass ist eine Frage der Prioritäten. Was steht bei mir an erster Stelle? Möchte ich mein gespartes Geld für Ferien in Thailand ausgeben oder mir ein umweltfreundliches, kostspieliges Auto anschaffen? Ist es mir wert, mich auf einheimische Produkte zu beschränken und die mögliche Vielfalt zu ignorieren? Möchte ich einen Ausflug in den heimischen Wald machen oder lieber in den Europapark fahren?
Es ist eine Frage der Gewichtung, ob man bereit ist, auf etwas zu verzichten, um in etwas anderes, das vielleicht nicht direkten Profit abwirft, zu investieren.
Ich nehme mich selbst keineswegs aus dieser Diskussion heraus, auch ich spiele hier meine Rolle. Aber ich finde es nur schon wichtig, dass man sich diese Gedanken überhaupt erst mal macht und sich der Wirkung seiner Handlungen bewusst ist. Nur darf man nicht nur dort verharren, sondern sollte handeln, wenn auch nur in einem bestimmten Bereich. Ich gebe zu, dass auch ich das Auto aus Bequemlichkeit und Zeitspareffekt öfters dem Velo vorziehe.......

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Deine kritische und ehrliche Selbsthaltung finde ich bewundernswert. Vor allem deine Begründungen sind gut nachvollziehbar.

Ich selber habe nicht die Möglichkeit mich zu fragen, ob ich z.B. das Auto oder das Velo nehmen soll, weil ich kein Auto zur Verfügung habe. Diesem Umstand verdanke ich es, dass mich schön aus dieser "moralischen" Diskussion heraushalten kann. Ich denke aber, dass es mir nicht anders gehen würde als dir, wenn ich genügend Geld hätte...

Diese Gedankengänge bringen mich auf die Idee, dass beim Aufbau eines neuen Lebensstils vielleicht grundsätzliche Fragen frei nach dem griechischen Sokrates gestellt werden sollten, wie z.B. "Brauche ich diese Anschaffung wirklich?" - Auch der Faktor Zeit spielt eine Rolle. Ich bevorzuge persönlich die Langfristigkeit... In unserer schnell lebigen Zeit kann ein neuer Lebensstil durchaus der bewussten Langsamkeit im Alltag gewidmet sein. In diesem Sinne, eile mit Weile!

ozon18 hat gesagt…

Ich finde, dass die Menschen mit dem Begriff "Lebensstil" sehr widersprüchlich umgehen. Einerseits ist es ihnen wichtig, im Grünen zu wohnen, wo es kein Lärm und Verkehr hat, doch auf der anderen Seite sind sie die ersten, welche das Auto nehmen, um in die Stadt zu fahren.
Die Leute klagen über den Fluglärm, doch auf viermal Ferien mit dem Flieger wird nicht verzichtet.
Man will auch zu den Menschen gehören, die Bioprodukte kaufen und der Natur etwas Gutes tun. Im gleichen Augenblick sitzt man jedoch im Restaurant und bestellt sich einen Erdbeerendessert im Winter.
Solche und andere Beispiele zeigen auf, dass wir vielfach nicht auf unseren Lifestyle verzichten möchten!